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Suche Sternenhälfte

Nach einer schier endlosen Fahrt über die unendlichen australischen Straßen suchte ich einen geeigneten Platz für die nahende Nacht. Am Fuße eines großen rotbraunen Felsens, welcher hier in der Mitte von nirgendwo lag und seinen einsamen langen Schatten im letzten Licht der untergehenden Sonne warf, machte ich halt.

Kurz darauf war das Zelt aufgebaut, alles verstaut und ein kleines Feuer loderte mit wärmenden Flammen vor mir. Ich liebe diesen Augenblick, wenn die Sonne gerade untergegangen und der Boden noch warm ist. Beim Anblick der Flammen fühle ich mich geborgen und sicher, wo auch immer ich gerade sein mag. Das leise Knacken der dürren Äste, der matte Schein der Glut und die Wärme in meinem Gesicht machen es mir leicht alles um mich zu vergessen. Dann sind die Welt nur noch die Flammen, die Glut und ich.  

Besonders in dieser Nacht war ich sicher, dass an Plätzen wie diesem die Geister der Urahnen anwesend sind, Wunder geschehen, Märchen entstehen und Traumpfade beginnen. Ich spürte die Bedeutung dieses Platzes, der in meiner Erinnerung als “magic place“ blieb, in einer seltsamen Vertrautheit, die ich mir jedoch nicht recht erklären konnte. Trotz längerem Sinnen konnte ich mich an keine vergleichbare Situation erinnern. Über all dem Grübeln schlief ich ein.

Mitten in der Nacht wachte ich jedoch auf. Kalt war es geworden und die letzten Flammen züngelten aus der dunkelroten Glut. 

Irgend etwas war da, wie ein Gefühl als ob etwas wichtiges darauf warte von mir entdeckt zu werden. Etwas unerklärbares lag in der Luft wie der dumpfe Klang gigantischer Trommeln löste es eine Art innerer Erregung in mir aus. Mich umschauend konnte ich jedoch trotz größter Anstrengung nichts erkennen. Bis ich mein Blick gen Himmel wendete. 

Noch immer auf dem Rücken liegend sah ich eines der phantastischsten  Bilder, welches meine Augen je erblickt hatten:

Wie zwei getrennte Welten erstreckte sich der Himmel über mir. Eine Hälfte war dabei tief schwarz, wobei selbst die Erinnerung an den dort befindlichen Felsen den Eindruck nicht mindern konnte. Die andere Hälfte jedoch war übersät mit Millionen von Sternen, deren Licht in so krassem Gegensatz zur Dunkelheit erschien, dass man glaubte diese Hälfte sei taghell. Um so stärker war der Eindruck als ich sah, dass diese „Weltentrennung“ nicht nur über mir, sondern auch am Horizont zu meine Füßen war. Sterne so nah, dass es mir schien ich könnte sie berühren.

Wie zwei Mächte schoss es mir durch den Kopf, wie die Gegensätze schwarz und weiß, vielleicht sogar wie gut und böse erhoben sich diese majestätischen Himmelshälften über mir. Es war als hätte mir eine höhere Macht die Hälfte des Himmels gestohlen.

Vielleicht meinte diese Macht jedoch nur, dass ich mich doch auch mit dem haben Himmel begnügen und die andere Hälfte für jemand anderen lassen solle. 

Seit diesem Gedanken suche ich diejenige, die nachts an meiner Seite liegend in den dann wieder vollständigen Sternenhimmel schaut und mit mir träumt.

Suche Sternenhälfte...


Keep your face to the sunshine and you will not see the shadows !